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Professionalität vs Kreativität? Warum diese Personen DSA fehlen werden

Vieles ist in den vergangenen Tagen über die Vorgänge bei DSA und den Autoren geschrieben worden.

Eine kommentierte Chronologie:

Zu Beginn kam die Mitteilung auf Alveran das Mark Wachholz nicht mehr Mitglied in der Redaktion ist und er auf recht unpersönliche Art und Weise entlassen wurde. Eine für DSAler bemerkenswerter Vorgang, weiß man doch von Autoren die sich vieles leisten konnten und dennoch noch immer dabei sind (mein Paradebeispiel, Horasreich-Konflikt und seine Produktverspätungen sowie der anschließende Regionalband Reich des Horas, der mit satten 5 Jahren Verspätung daher kam). In der Erläuterung sowie seiner späteren Ergänzung auf Alveran konnte man schon erkennen das es eine Mischung aus inhaltlichen Differenzen gab (zum Metaplot, dazu später mehr) wie auch persönliche und strukturelle die sich insbesondere aus der bei DSA jüngst eingerichteten Kernredaktion ergaben.

Von dieser Kernredaktion hatten sich ja viele einiges erhofft, z.B einen Push bei den Produkten, weniger Kullanz für Verspätungen a la Reich des Horas, aber auch aufgrund der Namen der Beteiligten eine größere Orientierung an spieltauglichem Material fernab von Kochbüchern undHandelsbänden die sich exzessiv mit aventurischem Gemüse auseinander setzen.

Insbesondere aber auch die persönlich von mir gehegte Hoffnung, hier nun Autoren sitzen zu haben die einen rollenspielerischen Weitblick über DSA hinaus besitzen und aus diesem Erfahrungsschatz heraus nun DSA und seiner Produktlinie wieder mehr Focus auf Spielbarkeit  und Spielrelevanz zu geben.

Stichwort Metaplot

Diese Hoffnung war aber noch viel mehr auf die ohnehin schon gute und engagierte Arbeit von Mark Wachholz was die Aufbereitung zahlloser Plotleichen im Metaplot angeht gerichtet. Diese dümpelten oftmals seit Jahren dahin, meist aufgeworfen durch Abenteuer von Autoren denen die Langzeitkonsequenzen oder Entwertung von Spielhilfen nicht sonderlich wichtig war sondern mehr der Knalleffekt ihres persönlichen Produktes, ohne Infos ob sie nun gänzlich frei für Spielgruppen waren was die eigene Gestaltung angeht oder ob da noch was kommen möge.
Marc schrieb viele gute Artikel im aventurischen Boten die hier Spielleiter-Infos gaben und gute Roadmaps darstellten bis zum Herauskommen etwaiger, mal wieder alles über den Haufen werfender Abenteuer (derweil andere Autoren lieber ihre Abenteuer durch ihre Penetranz nerenden Kurzgeschichten anteaserten und denen Transparenz ein Fremdwort war).

Diese Arbeit ist unheimlich rechercheintensiv, erforder viel Know-How und Weitsicht und ist wohl oftmals alles andere als spassig, muss man sich doch an vergangene wie noch nichtmal publizierte Produkte von anderen Autoren halten und diese sinnvoll und stringent verknüpfen. Sicherlich weitaus weniger spassig als ein Abenteuer zu schreiben in dem man Dinge einfach setzt (und dabei herzlich Regeln und inneraventurische Begebenheiten ignoriert bzw außer Kraft setzt). Eine Arbeit der Respekt gebührt und die offensichtlich anderen Autoren auf die Nerven ging bzw sie in ihrer „Gestaltungsfreiheit“ störte.

Mit seinem Rausschmiss war vielen der heftigsten Kritiker des bisherigen Metaplots sowie der Art wie dieser durch Produkte gestaltet wird klar, dass dies einen heftigen Einschnitt bedeuten würde. Marc stellte sich mit unerschütterlicher Geduld oftmals anstrengenden Diskussionen auf Alveran. Unbequeme Diskussionen, aber auch Diskussionen die Verständnis bei vielen Käufern und Kritikern aufwarfen und halfen, die Zusammenhänge zu verstehen. Gleichzeit auch Diskussionen die einem die Möglichkeit gaben, Hinweise und Impulse für etwaige Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich der Produktpolitik zu geben (wenn auch im eher kleinen Rahmen des zweimonatlich erscheinenden aventurischen Boten).

Zwei weitere, unermütliche Mitdiskutanten die kein Blatt vor den Mund nahmen waren Ragnar und Michele Schwefel. Ausgerechnet diese beiden gaben gestern bekannt dass sie ihre Schlüsse aus den Ereignissen ziehen würden und ihre Mitarbeit am offiziellen Aventurien beenden würden. Auch die beiden waren mir durch wirklich akribische Arbeiten bei ihren Produkten bekannt, wie auch durch ein hohes Bewusstsein ob der Sinnhaftigkeit, Produkte langfristig zu planen bezüglich ihrer Auswirkungen auf das lebendige Aventurien aka Metaplot.

Es scheint laut ihren Worten schon lange so gewesen zu sein dass ihre eher planvolle, behutsame Art nicht mehr zu dem neuen Produktplan gehören sollte.

Als 4. Beteiligter entschied auch Tyll Zybura sich von der Arbeit der Redaktion DSA zu verabschieden. Tyll hatte sich in den letzten Jahren einen herrvoragenden Ruf durch diverse inoffiziellen Produkte erarbeitet, (wie die von mir immer noch als grandios anzusehenden Elementartexte) die er auf seiner Website Wolkenturm.de veröffentlichte, als auch durch seine jüngsten Sachen wie das spielenswerte und kostenlose Szenario Posaunenhall, das die kommenden Ereignisse in den schwarzen Landen auf eine für DSA-Verhältnisse außerordentlich freie Art und Weise behandelte.

Ich empfinde großen Respekt für die Entschlüsse von Tyll Zybura, Michelle und Ragnar Schwefel, die ihnen sicherlich nicht leicht gefallen sind. Wenn man soviel Zeit und Kreativität in ein derartiges Nischenhobby mit nur kleinen Fandom steckt, dann braucht das unermüdlichen Elan und viel Herzblut. So etwas aufzugeben/ zu beenden fällt immer schwer.

Letztendlich möchte ich keine Spekulationen lostreten, aber ein paar Kommentare hatte ich ohnehin in diversen Foren geschrieben:

Quo Vadis Produktplan /Metaplot?

Wie es scheint, wird DSA tatsächlich professioneller was den Produktausschuss angeht, wenn man die Masse betrachtet, ebenso wie die Geschwindigkeit mit der Publikationen angekündigt und herausgebracht werden. ABER vieles läuft letztendlich doch wieder auf eine überaus starke Dominanz der Kaufabenteuer heraus, welche von manchen DSA-Spielern geliebt, von anderen gehasst oder ignoriert werden. Diese Kaufabenteuer haben seit jeher die lebendige aventurische Geschichte vorrangebracht, mit allen Vor und Nachteilen. Eine in den vergangenen Jahren zunehmende Gigantomie sowie Narrenfreiheit und mangelnde Planung der zuständigen Autoren sorgte für große Umwälzungen die dann zu großen Teilen nie wieder fortgeführt wurden geschweige denn als für Spielgruppen frei angegeben wurden. Für Spielgruppen die die Kaufabenteuer (sei es aufgrund ihres Aufbaus mitsamt vielen Schienenelementen oder ihrer hohen Moralität) eher ignorierten sondern ausschließlich mit den Regionalspielhilfen arbeiteten, wurde es immens schwer, hier noch halbwegs an dem sich fortentwickelnden Plot zu spielen. Oftmals verwiesen die Regionalspielhilfen auf kommende Kaufabenteuer (die damit plötzlich die Rolle von Informationsträgern den dafür zuständigen Spielhilfen abnahmen), welche  aber für diese Spieler keinerlei Spielreiz boten.
Durch den wesentlich höheren Anteil an der Produktpalette gaben auch die Kaufabenteuer immer wieder neue Informationen und Setzungen auf, welche zur zunehmenden Verkomplizierung und dem Informationsüberschuss beitrugen.

Wer sich im Aventurien der jüngeren Zeit bewegen wollte kam nicht mehr mit dem dafür zuständigen Settingband aus, sondern sollte auch noch die Abenteuer X, Y und Z besitzen, damit er Infos über Region, Charaktere und Entwicklungen bekam. Ein kontinuierliches Totschreiben der Settings und vor allem ein zu immer mehr Missverständnissen führender Informationsüberschuss den auch die meisten Autoren nicht mehr überschauen. Dazu mangelnde Planung, Koordination und Weitsicht führen zu einem Settingkonglomerat was in sich in höchstem Maße inkonsistent ist, zu Lasten der Spielleiter welche hier massive Arbeiten investieren müssten um aus den Brocken etwas sinnvoll spielbares zu machen.

Was bleibt /Schlussfolgerung

Für mich führte das (insbesondere mit dem Ausflug in interessante andere Rollenspielgefilde) zum mehr und mehr als unnütz empfinden der DSA-Bände (die durch ihre zahlreichen Abenteuerverweise mehr verwirrten bzw Zeit kosteten anstatt Klartext zu schreiben und Spielinformationen zu bieten) und dem Eindruck, es wäre wohl dem Verlag wohl wichtiger eine kleine Schar Alleskaufender zu bedienen (die insbesondere durch die unzähligen Kaufabenteuer bis auf Lebenszeit mit Material gefüttert werden) als eine Vielzahl von Spielstilen zu bedienen, zu denen auch Leute wie ich gehören die sich lieber anhand von Settingbänden selber kreativ betätigen. Die lieber auf ihre Spielgruppen zugeschnittene Szenarien entwickeln wollen anstatt die Spieler mit langweiligem prominente NSCs abklappern und diesen Helfen -Plots zu langweilen.

Ich sehe eine steigende (und vom Verlag natürlich gewollte) NUR Konsummentalität der DSA-Fans, einem immer stärker abnehmenden eigenen kreativen Potential, einem massiven Schwund an interessanten inoffiziellen Ausarbeitungen („wozu, bald kommt doch Band XZ, da steht alles dazu drin…“)  und vor allem auch sinkender Akzeptanz für Sachen auf denen nicht das selig machende Ulisses-Logo prangt. Das ist ein Kreislauf der auch die letzten eifrig Schreibenen demotiviert, wozu noch Texte schreiben die keine Leser finden? Wozu Szenarien basteln die niemand spielt?

Ich habe immer weniger Zeit für solche Ausarbeitungen und meine Geduld mich durch „offizielle“ Bände zu wühlen um ein halbwegs konsistentes Szenario zu entwickeln sinkt. Auch fehlt mir dazu der mangelnde Mehrwert bzw die Spielrelevanz. Solange DSA die ausgetretenen (aber offensichtlich kurzfristig lukrativen) Wege der Kaufabenteuer-Orientierung gehen (derweil andere schlanke Rollenspiele die Do it yourself-Mentalität fördern statt sie zu boykottieren) und in ihren Spielhilfen nur Allgemeinplätze anbietet, solange werde ich Abstand nehmen von diesem Rollenspiel. Es ist nur eines von vielen in diesem Sektor und Kreativität benötigt keine offizielle Genehmigung. Das wissen sicherlich auch die oben erwähnten Personen, welchen ich von ganzem Herzen wünsche dass sie zumindestens dem Rollenspiel treu, aktiv und kreativ bleiben.

Aventurien hat viel Potential das noch  beackert werden kann, auf Jahrzente, wenn die Lizens schon längst vor sich hingammelt weil sie kein Geld mehr einbringt und Printprodukte eh kein Mensch mehr kauft.
Szenarien, NSCs, alternative Regeln und Regeladaptionen (wie die grandiose Wildes Aventurien-Umsetzung von Zwart auf Savage Worlds) werden uns Rollenspieler noch ewig Futter geben und animieren selber sich an den Herd zu stellen statt auf den Pizzalieferanten zu warten (und sich dann über lauwarme, labbrige Pizza und die Pizzeria an sich zu ärgern 😉 Selbstgekocht schmeckt oftmals am besten, also lasst uns die Rezepte austauschen =)

Willkommen bei „Der will doch nur spielen“

In Sachen Rollenspiel und Visuelles stolpere ich oft über Diskussionswürdiges, Erwähnenswertes und vor allem Zeigenswertes. Dies zu präsentieren, zu kommentieren und zu kritisieren, dazu ist dieser Blog da

Die Person hinter dem Blog

ist ein Rollenspieler aus dem Rhein-Main-Gebiet.  In den üblichen Foren wie Tanelorn, Alveran, Vinsalt-Forum sowie dem Metstübchen bin ich meist unter dem leicht schwulstigen Namen Herr der Nacht unterwegs, manchmal auch unter H.d.N.
Ansonsten bin ich außerhalb der Rollenspielgefilde Student im Studiengang Kommunikationsdesign, zeichne hobbymässig ganz gerne (obwohl ich mich hier eher als faul bezeichnen würde 😉  und genieße das Leben.

Rollenspiele
spiele ich seit nunmehr 10 Jahren , alles fing mit ein paar Playmobil-Figuren und einem älteren D&D-Spielleiter in einer Kellerwohnung an, führte dann über Umwege und kurze Pausen hin zum Rollenspiel DSA, welches ich nunmehr seit vielen Jahren als Spielleiter und Spieler aktiv spiele.

Als zweites festes Standbein ist bei unserer Hausrunde seit über 1 1/2 Jahren die World of Darkness hinzugekommen, welche wir in einem Pseudoreal-Setting bespielen und uns von dem Poolsystem zugunsten eines selbstgebastelten Regelhybriden verabschiedet haben.

Demnächst auf der Planung steht die feste Implementierung von Savage Worlds als Alternative zu den eher steiferen Regelwerken der erwähnten Rollenspiele, feste Settings sind hier noch nicht geplant.
Spielstil-mässig

ist unsere Gruppe bunt gemischt, generell sind wir eher gamistisch orientiert und dem Storytelling dann abgeneigt wenn es in Richtung Erzählonkel-Stil geht.

  • Ich selbst lege Wert darauf als Spielleiter fair zu sein,
  • die Entscheidungen der Spieler nicht zugunsten irgendwelcher Plots zu entwerten,
  • grundsätzlich IMMER ergebnisoffen zu spielen,
  • die Regeln auch als Spielleiter einzuhalten,
  • nach der Prämisse: Maximaler Spielspaß zu leiten.

Für irgendwelche Märchenstunden ist mir die Zeit am Spieltisch zu kostbar und bislang hatte ich durch solche Dinge auch keine guten Erfahrungen sammeln können, sowohl als Spieler, als auch als Spielleiter.

Der Grund warum ich diesen Blog ins Leben gerufen habe

ist mein Kampagnenblog herrenvonchorhop.wordpress.com in dem ich Intervallweise mein Material veröffentliche, dass sich während meiner Tätigkeit als Spielleiter so ansammelt.
Bei diesem hatte ich von vorneherein festgelegt, keine allgemeinen Rollenspielthemen anzuschneiden, bzw auch keine Kommentare und Gedanken zu der Kampagne und den Materialien zu veröffentlichen.

Warum? Einfach deshalb um ihn übersichtlicher zu halten und den Inhalt ausschließlich auf Spielleitermaterial und Spielberichte einzugrenzen.

Dass soll hier nun anders sein, sämtliches Geblubber, Fundstücke und Material abseits der Kampagne werde ich hier veröffentlichen, aber auch Gedanken und Erfahrungen aus der nunmehr einjährig geleiteten, ergebnisoffenen Kampagne im DSA/Aventurien-Detailsetting Meridiana

Immer mal wieder

amüsiere/ärgere ich mich auch über Regelwerke, Spielhilfen und andere Rollenspiel-Publikationen, vornehmlich da nunmal recht aktiv bespielt, DSA. Auch hierzu werde ich meine Gedanken hin und wieder ablassen, was vielleicht etwas übersichtlicher ist, als diese einfach in den diversen Foren niederzuschreiben.
Wichtig ist es mir dabei fair und konstruktiv zu bleiben, aber ohne Anspruch an ernste, stocksteife Rezensionen, weder liegt mir so etwas, noch lese ich solche gerne und daher werde ich auch selbst keine liefern.

Unter dem Punkt

Fundstücke&Interessantes werde ich hier die interessanten Links und Quellen zum Rollenspiel, Spielleiten und Visuellem sammeln, die sich so bei der Recherche und der Tätigkeit als Spielleiter ansammeln.