Erste (begeisterte) Probefahrten mit Savage Worlds…

…in Pulp Gefilden

Und diese eigentlich ausnahmlos zufrieden bis hin zur Begeisterung. Aber der Reihe nach.

Es war schon länger angedacht alternativ zur eher investigativen WoD Runde sowie der machtbestrebten Chorhop-Runde einmal einen Ausflug ins weniger verkopfte, unkomplizierte Pulp-Genre zu machen. Nachdem dann auch die Gentlemen’s Edition/Probefahrten von Savage Worlds in unserer Runde hinzukamen wuchs der Gedanke umso mehr.

Angedacht vom Spielleiter war ein Setting im Europa der 30er Jahre, Ausgangspunkt England. Die Charaktererstellung fand vor dem Spiel statt.

Recht schnell zeigte sich hier die erste Stärke von Savage Worlds. Ein schlankes, übersichtliches Regelsystem dass

schnelle Charaktererschaffung

ermöglicht, gleichzeitig aber durch die Talente auch Möglichkeit zur Charakterdifferenzierung und Spezialisierung bietet.

So wurde mein Charakter die englische Adlige, Lady Elisabeth Rhaynes, welche durch hohes Charisma glänzen , aber auch durch die Kräfte der Psionik sich durchaus auch physisch zu wehren wissen sollte. Beides ließ sich gut bezahlen so dass ich die drei Talente Adlig, Gutaussehend und Arkaner Hintergrund (Psionik) kaufte.

Die zwei anderen Mitspieler wählten sich passende Gegenparts. Ein Arzt namens Doctor Harvey Mason, welcher neben seiner pazifistischen Veranlagung vor allem echte magische Hände vorweisen kann und Hausarzt der guten Lady Rhaynes ist. Der andere Charakter ist sein Leibwächter, ein asiatischer Triadenkämpfer der sich aufgrund einer Lebensschuld dem Doc angeschlossen hat. Mit Kung-Fu-Kenntnissen wischt  dieser mit fast jedem Gegner den Boden auf, ist aber ansonsten eher schweigsam und zurückhaltend.

Eigentlich ließ sich jedes Konzept sehr gut mit dem Regelwerk erfüllen, nur das Gangsterboss-Dasein des Triadenkämpfers wurde erst einmal auf die Zukunft verschoben (die Talente Gefolge und ähnliches wären für einen Anfänger-Charakter noch nicht verfügbar gewesen).

Der Abenteuereinstieg

erfolgte rasant und ohne große Schnörkeleien, die Lady sowie der Doc samt Leibwächter wurden vom englischen Außenminister Ramsay MacDonald zu einer höchst dringlichen und heimlichen Sitzung gerufen.

Der bekannte Chemiker Ernest Rutherford wurde entführt, Spuren am Tatort deuteten auf die Nazis als Entführer hin, welche laut dem Minister scheinbar auf dem Weg zu einem südenglischen Hafen wären.

Es wurde also keine Zeit verschwendet sondern direkt mit einem Wagen samt Chauffeur Richtung südenglische Küste gebraust, den Nazischergen hinterher.

Einen Hinterhalt auf einer Landstraße konnte der Fahrer  geschickt ausmanövrieren, zu rechten Stunt-Aktionen ließen sich die Spieler hier noch nicht hinreißen, dafür durfte Lady Rhaynes einen Bennie locker machen da sie vom feindlichen MG dank Würfelpech getroffen wurde.

Am Hafen angekommen durften die SCs beobachten wie die Schergen gerade eben mit einem Torpedoboot davonbrausten. Ein eilig gekaperter Fischkutter verhinderte jedoch nicht die zunehmende Distanz zwischen Verfolgern und Verfolgten. Also setzte die Lady ihre Macht Gestaltwandel ein und folgte als Falke dem gegnerischen Schiff. Bedauerlicherweise sprach sie sich nicht vorher mit den anderen ab, so dass diese bald recht verzweifelt nach der womöglich über Bord Gegangenen suchten.

Die Lady konnte mitbekommen wie die Nazis den entführten Wissenschaftler in ein U-Boot brachten und abtauchten. Sie landete auf dem Torpedo-Boot und versuchte dieses zurück zum Hafen zu bringen, was aufgrund mangelnder Fähigkeiten trotz gutem Würfelglück mit einer Bruchlandung in einem englischen Hafenpub samt wütendem Barkeeper gipfelte.

Nach einigen Konflikten mit dem aufbrausenden Mann brachten Mitarbeiter des Außenministers einen verletzten Nazischergen an, der zuvor den Hinterhalt gelegt hatte und nach seiner Verletzung sich vergiftete. Der Doc konnte ihn jedoch problemlos zurückholen und mit der martialischen Gewalt des Chinesen und der Überzeugungskraft der Lady ließ sich rausfinden dass die Nazis den Chemiker zu einem Lager in Afrika, genauer Bagamoyo/Tansania bringen würden.

Zurück beim Außenminister wurde eilig eine

Reise per Zeppelin

nach Afrika klargemacht sowie zwei Henchman zur Unterstützung namens Smith und Wesson. Pikanterweise ausgerechnet mit einem deutschen Luftschiff mit entsprechend „sympathischer“ Besatzung.

Auf der Reise nach Afrika gab es einen Zwischenstopp in Berlin, wo die Lady eingehens alle Passagiere auf besondere Merkmale und Auffälligkeiten begutachtete.

Besonders stach eine Dame namens Gräfin Schaumburg heraus, welche der Lady verdächtig vorkam. Bei einer Untersuchung der Kabine am nächsten Reisetagmittels (in die sich die Lady dank Verwandlung in eine Katze hineinschleichen konnte) brachte ihre Verbindung zu den Nazischergen zu tage. Ein stattliche Dominatrix-Uniform sowie ein Gift und brisante Dokumente wurden gefunden, sowie dank der Untersuchung durch Arkanes Entdecken eine magische Präsenz. Durch ein magisches Geschoss konnte sich die Lady wieder aus dem Raum befreien, leider nicht sehr subtil.

Nach diesen Entdeckungen berichtete die Lady ihre Entdeckungen dem Doc und dem Chinesen, es wurde beschlossen, sich unaufällig zu verhalten und abzuwarten, wo geht das besser als beim Glücksspiel =)

Der Einbruch

wurde sofort von der Mannschaft untersucht und daraufhin wurden die roulettespielenden Engländer vom Kapitän befragt und Lady R. sogar vom Kapitän des Einbruchs beschuldigt. Zeugenaussagen und so… Sie konnte ihn aber ladylike in die Schranken weisen (Charisma 4 sowie Überreden W8 zahlen sich aus =) , so dass er ihr nichts nachweisen konnte.

Zwischendurch konnte man die Gräfin aus dem Funkraum des Zeppelins spazieren sehen. Die  vom Außenminister zur Unterstützung angeheuerten  englischen Henchman Smith & Wesson stellten sich alsbald als totes schwules Pärchen heraus, die mit irgendeinem oralen Gift ermordet wurden.  Es wurde relativ schnell klar dass hier die Gräfin als Giftmischerin im Spiel war. Eifrig wurde schon überlegt wie man sie möglichst unauffällig um die Ecke bringen könnte.

Zum Abendessen konnte der Chinese beobachten wie ein kleiner deutscher Jagdbomber am Zeppelin andockte. Ich glaube deswegen oder warum auch immer brauch dann Panik im Salon aus, so dass die Helden kurz Zeit hatten was zu unternehmen. Sie hatten nämlich 4 oder 5 SS-Truppen mit Maschinenpistolen Richtung Salon kommen sehen. So verdrückten sie sich in die Küche, von dort über einen Steg an der Außenseite der Gondel bis zu einem Gang, wo sie durch ein Fenster wieder das Innere des Zeppelins erreichten. Nun wollten sie schleunigst zum Jagdbomber um mit diesem den Nazischergen zu entkommen.

Zwischendurch gab es noch einen ordentlichen Zwist zwischen dem Doc und der Lady, weil sie noch unbedingt aus ihrer Kajüte das Diebesgut mitnehmen wollte. Sie konnte sich charmant durchsetzen, trotz Protest des Spielers und massivem Bennie Einsatz um den Überredungsversuch abzuwenden (Charisma 4 + W8 Charisma mit Ass kann schon etwas hermachen =) . Als sie am Flugzeugdock ankamen sahen sie sich mit der Gräfin und drei der SS-Truppen gegenüber. Nach einem ordentlichen Schlagabtausch gingen die Gräfin und ihre Schergen zu Boden.

In Anbetracht der Tatsache, dass die anderen aus dem Salon, aufgeschreckt durch den Kampfeslärm, Richtung Flugzeug stürmten und keiner der Helden sie erwarten wollte, kamen sie (nach misslungenen Klugheitsproben) auf die Idee eines der versiegelten Glasröhrchen gegen die anstürmenden Nazis zu werfen. Die Ampulle zerbrach, der Doc schaffte es im allerletzten Moment den Motor zu starten, die Halteklammern zu lösen und davonzufliegen. Unmittelbar darauf wurden sie Zeugen, wie das Zeppelin nach backbord (links) abdriftete und in einen Sturzflug überging, mit dem Ziel auf dem afrikanischen Kontinent in einer großen Explosion zu vergehen.

Fazit:

Der Kampf funktionierte eigentlich relativ reibungslos, zwar kam es noch zu einigen Verwirrungen und es benötigte etwas Erklärung den Zusammenhang zwischen Angeschlagen, Wunden sowie die Möglichkeit, Mehrfachaktionen deutlich zu machen, aber das lohnte sich. Insbesondere der Chinese konnte durch das Ziehen der Joker-Karte, einem Kämpfen W12 Wert sowie guten Tricks die Nazi-Schergen relativ flott plattmachen. Insgesamt überzeugten die gerade mal zwei Kampfrunden, mit mehr Übung dürften diese dann auch in Spielzeit schlanker werden, viel Zeit ging einfach durch Erklärungen drauf.

  • Das Spielsystem war stets ausreichend genug für alle Konflikte
  • Bennies rocken und alle Spieler waren froh diese einsetzen zu können. Der Spielleiter hatte sich ab dem zweiten Abend auch mehr dazu durchringen können, diese exzessiver an die Spieler zu verteilen für coole Aktionen
  • Durch die Bennie-Vergabe, aber auch den grundsätzlichen Stil des Settings wie auch des Regelwerkes waren alle Spieler sehr ermuntert, actionmässige Aktionen zu starten.
  • Explodierende Würfel sind etwas tolles, wenn der W4 Spieler sich auf satte 16 Punkte hochwürfelt, dann ist Stimmung am Spieltisch =)
  • Langweile kam eigentlich nie auf und auch die Outgame-Gespräche hielten sich angenehm im Hintergrund bzw kamen seltener vor, was sicherlich ein Zeichen für den Spielspass war

Das ist natürlich absolut subjektiv, aber unser Einstiegs ins FFF-Spiel hat hervorragend geklappt und  es wird sicherlich nicht bei den zwei Spielabenden bleiben.

Als Spieler war ich sehr überzeugt und könnte mir auch gut vorstellen, das Regelsystem für meine Chorhop-Kampagne zu übernehmen, welche mir nicht zuletzt wegen dem DSA-Regelkrampf zuletzt doch sehr in Richtung viel Arbeitsaufwand für wenig Spielnutzen gipfelte.

Nicht nur deshalb bin ich sehr gespannt was die weitere Entwicklung des

Wilden Aventuriens

so mit sich bringen wird, über das einige eifrige DSAler gerade euphorisch diskutieren =) Die Zeichen stehen jedenfalls auf Fast! Furious! Fun!

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4 Antworten zu “Erste (begeisterte) Probefahrten mit Savage Worlds…

  1. Hat sich gut und kurzweilig gelesen, der Bericht. 🙂

  2. Jaja, das gute Savage Worlds… wir haben auch erst letzte Woche einmal wieder gegen Nazis gekämpft, gegen Zombie-Nazis from Hell, um genau zu sein :-).

    Schöner Bericht!

  3. Habt ihr dabei Battlemaps verwendet oder die Abstände nur pi mal daumen abgeschätzt?

    Für Battlemaps und Co haben wir nämlich i.d.R. wenig Platz auf dem Tisch (Essen, Trinken, Würfel, Bögen, etc… =)

  4. Yeah! Mehr Savages! Willkommen im großen Kreis der Fans! 🙂

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