Erster Rant/erstes Gemecker

Da ich wider meinem selbstgesetzten Ziel es nicht geschafft habe, meinen Blog assozial zu schreiben (diese Nettigkeit in RPG-Foren und Blogs ist manchmal schon schwer erträglich 😉  will ich zumindestens etwas rummeckern.

Die Selemer-Tagebücher, Helden.de und der DSA-Hexenkessel veranstalten nunmehr die dritte Runde des DSA-Kreativwettbewerbs Auf Aves Spuren, diesmal ist das Rahmenthema die Sternchenmysterien der grünen DSA-Spielhilfen-Reihe.

Für Nicht-DSAler: Die grünen Bände, auch Regionalspielhilfen genannt, sind Settingbände die jeweils eine gewisse Region Aventuriens vorstellen, mitsamt Örtlichkeiten, Flufferzählungen, Personen, Flufferzählungen, Mysterien als Flufferzählungen (die von mir gefürchteten aventurischen Zitate, gerne in Pseudo-Altdeutsch geschrieben und schön kursiv, damit es dem Auge auch möglichst weh tut beim lesen).

Diese Mysterien sind Plothooks, bzw sollen Inspirationsmaterial für Spielleiter darstellen, marke „hey, dat klingt doch gut, mach wat draus“.  Einige davon bekommen zusätzlich, für sehr kanonfixierte Spielleiter das Prädikat bedenkenlos nutzbar, da kommt nix offizielles, diese werden mit einem Sternchen markiert. Andere, welche in Abenteuern der nächsten Zeit noch behandelt werden oder behandelt wurden, werden durch das Fehlen des Sternchens gekennzeichnet. Blöderweise hat man viele wirklich taugliche und auch gut in der Spielhilfe ausgearbeitete Plots schon mal vorab mit Abenteuern verplant, dass ist ärgerlich, aber für den erfahrenen DSA-Käufer schon Standart.

Leider scheint sich bei den DSA-Autoren erst nach einigen Jahren des Spielhilfen-Schreibens der Gedanke aufgetan: „Moment, wir belegen soviel potentielles Plotmaterial, können aber gar nicht alles in Abenteuer umwandeln, dafür fehlen uns Kapazität und Ressourcen„. Also wurden in den nachfolgenden Publikationen die Sternchenmysterien mehr und dem Spielleiter auch inhaltlich mehr Freiheiten gegeben ohne ins Handwedeln zu verfallen. Das ist gut, leider sind die alten Publikationen auch oftmals diejenigen welche publikationstechnisch ohnehin sehr unbeschrieben sind, dennoch schaffen sie es nicht, ausreichend eigene Mysterien zu liefern die Spieltauglich sind UND vor allem ohne Reservierung für etwaige offizielle Publikationen auskommen. Das mag für die heimische Spielrunde und den ergebnisoffenen Spielleiter scheißegal sein, schließlich gibt es keine redaktionelle Rollenspielpolizei, für Wettbewerbe ist es hingegen dämlich.

Mal ein kleiner Überblick, aus den Mysterien der Spielhilfe In den Dschungeln Meridianas, die Sternchenmysterien sind markiert:

-der sterbende Stamm
-Die Stadt der Affen,
-die Stadt der Katzen,
-die Zitadelle der Geister,
-die Stadt der Spinnengötzen,
-Gulagal,
-GronGruMur,
-das Plateau der Feinde,
-Altaia
-Kapa-Ti-Tur *
-der Elephantenfriedhof
-die Ruinen von Terkum

Ja, tatsächlich genau EIN Sternchen, alles andere ruht im Nimbus des „es könnte irgendwann irgendwas mal erscheinen.  Die Spielhilfe ist wohlgemerkt von 2004, nun ist es 2010 und es ist nicht ein einziges Abenteuer zu irgend einem der reservierten Mysterien erschienen. Es erscheinen grundsätzlich beinahe keine Abenteuer aus der Region, aber irgendwie scheint man dass bei der Erstellung der Spielhilfe vergessen zu haben.

Daher verschenke ich hier mal ein paar Sternchen für die Autoren =)

Ein Grund warum ich auch in entsprechenden Foren oftmals darauf hinwies, warum die Regionalspielhilfen für Spielleiter die ergebnisoffenes Spiel ohne Storytelling-Kaufabenteuer pflegen oftmals eher mässig nützlich sind.  Sie verlieren sich gerne zwischen Stimmungsfluff und Handwedelei, plottaugliches Material wird für Kaufabenteuer reserviert und in diesen eingehender behandelt (mitsamt nettem Hinweis darauf). Wer keine Kaufabenteuer spielt bzw mit deren Aufbau wenig anfangen kann hat die Wahl zwischen komplett selbst machen oder Abenteuer alleine wegen ihres Anhangs zu kaufen, was teuer ist und ziemlich dämlich.

Wohin sich die Aufmachungspolitik der Bände entwickelt mag man noch nicht absehen, aber echte Kreativität wird mit solchen Dingern eher wenig gefördert. Egal ob für die heimische Runde oder Wettbewerbsabenteuer.

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8 Antworten zu “Erster Rant/erstes Gemecker

  1. Wenn Du ergebnisoffen und ohne Handwedelei spielen willst, warum dann DSA? Das ist die Heimat der Handwedelei und der SL-Arroganz 😉

  2. Gewohneit, Vertrautheit der Settings, viele, investierte Stunden in eigene Ausarbeitungen und beim Durchlesen. Eine große Basis an Spielgruppen, gute Fanausarbeitungen, etc…

    Sowas in der Art. Außerdem hat das ergebnisoffene Spiel bzw die Erkenntnisfindung bei meiner DSA-Kampagne angefangen, sprich diese wird dann eben auch fortgeführt.

    Was die Zukunft bringt und wo sie hinführt, k.a.

    Außerdem vielleicht der Wunsch Änderungen herbei zu führen 😉

  3. Schließ Dich mal mit Moritz von der Seifenkiste zusammen. Der scheint sich bei DSA ähnliches zu wünschen. Ich wünsche euch wirklich, dass es Euch gelingt, denn manche Dinge aus der DSA-Ecke finde ich nur schwer erträglich, darum meide ich es im Regelfall. Außer ich will mal wieder so richtig Powergamen, denn das geht mit DSA verdammt gut. Es macht eigentlich noch mehr Spaß als bei SR O:-)

  4. Was ist denn mit Handwedelei gemeint? Hab ich noch nie gehört. 😉

  5. Ich halte dieses Sternchen-System bei den Mysterien auch für unsinnig, was aber vor allem an der Unentspanntheit der DSA-Spieler liegt, die so sklavisch mit Hintergrund umgeben, dass sie glauben, fehlende Sternchen würden ihnen _verbieten_, ein Mysterien in ihrem eigenen Spiel zu verwenden. Du reproduzierst hier diese Unentspanntheit eigentlich nur. Aber das liegt wohl im Wesen eines Rants. 😉

    Nicht-Sternchen-Mysterien waren jedenfalls nie, niemals, never ever, ein Versprechen dafür, dass sie ‚bald‘ oder auch nur ‚jemals‘ abenteuerlich verwendet werden würden. So wurden sie fälschlicherweise rezipiert und es ist leider nie gelungen, diesen Irrtum auszumerzen.

    Ganz abgesehen davon sind die RSHs meinem Eindruck nach geradezu vollgestopft mit plottauglichem Material. In Land der Ersten Sonne (als Beispiel, weil ich die Texte gut kenne) gibt es kaum eine Beschreibung von irgendwas, in der man nicht gleich mehrere Plothooks findet.

    Dass dein Spielstil nicht besonders bedient wird, weiß ich ja. Aber ich kann immer nicht so ganz nachvollziehen, warum dich das so aufregt, bzw. warum es so schwer zu sein scheint, das einfach hinzunehmen und mit dem gegebenen Material so zu spielen wie man will.

  6. Hallo Windfeder,
    schön von dir zu lesen 😉
    Handwedeln ist so ein Begriff aus dem Tanelorn, dort wird es als Synomym für Schwammigkeit genommen. Damit sind Rollenspieltexte gemeint die sich davor drücken, konkret zu werden, oft und gerne auch mit dem Anschein, hier auf die Kreativität des SLs Rücksicht nehmen zu wollen.

    Bezüglich der anderen Dinge: Na klar sind die Spielhilfen voller Plotmaterial. Was ich in diesem Beitrag anprangere ist eben die Art und Weise, wie es aufbereitet wird bzw reserviert wird. Wie ich dort auch schrieb, für eigene Runden ist es herzlich egal, da kann ich mich eh austoben. Geht es darum, Material zu veröffentlichen was nicht in Richtung Alternatives Aventurien driftet oder wie beim Sternchen-Wettbewerbs-Thema des Abenteuerwettbewerbs gewissen Einschränkungen unterliegt, dann wird es schwierig.

    Die dicksten Pakete einiger Spielhilfen (und hier vornehmlich der ersten paar, von SH zu Sh hat man sich gesteigert, nimmt man mal Land des schwarzen Bären raus) wo wirklich richtiges Plotmaterial abseits vom kleinen Schwarzmagierturm oder der Räuberbande drin ist, dass hat man jedoch mit einem „Mantel des Kommt noch“ was verhüllt. Seien es in Am großen Fluss die damals nicht festgelegte Auflösung des Konfliktes, sei es das Schicksal Almadas in Herz des Reiches, sei es das Erwachen im Bornland, etc…

    Sobald es größer wird tut man sich schwer mit Freigaben. Diese Freigaben benötige nicht ich als SL für die heimische Runde, die benötige ich als DSA-Spielleiter der grundsätzlich irgendwo Kram produzieren will der nicht am Kanon vollends vorbei geht, mich aber eben auch nicht mit Schwarzmagier XY und seinem Türmchen zufrieden geben will.

    @ The Clone
    Man soll die Hoffnung nicht aufgeben habe ich mir sagen lassen. Was die Zukunft von DSA angeht bin ich guter Dinge. Gerade deshalb behalte ich mir vor, die Vergangenheit und Gegenwart anzumahnen =)

  7. Ja, okay. Die Reservierung größerer Metaplot-Stränge wie Albernia, Almada oder Bornland ist nochmal ein eigenes Thema, denke ich. Darüber haben wir ja auch neulich gesprochen; so langsam kommt es bei AutorInnen an, was dabei das Problem für viele Spielrunden ist, aber die Pfade sind tief ausgetreten und für DSAler, die kaum über den Tellerrand schauen, ist es schwer, anders zu denken und zu schreiben als man es gewohnt ist und gewöhnt wurde.

    Ich bin mal gespannt auf Reich des Horas, wo ja ein Ausblick auf die Regionsentwicklung bis 1040 BF angekündigt wurde. Da bin ich dann auch neugierig auf deine Rezeption, also ob es deinem Spielstil entgegenkommt. Das wird jetzt aber OT hier.

  8. @ Windfeder

    dann wird mein Blog wohl ein ewig nervendes Mahnmal für alle DSAler sein um sie auf die verschiedenen Pfade hinzuweisen 😉

    Aber es geht ja eben auch um Austausch. Und ich denke, die „neue“ Riege der DSA-Autoren wird da durchaus mehr Pfade sehen als es die Vorgänger taten. Wenn nicht…dann halt nicht 😉

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